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Gestärkte Eltern stärken ihre Kinder

Aktive Eltern – lebendige Kinder

In der Münchner Valpichlerstraße befindet sich ein altehrwürdiges, von viel Grün umgebenes Wohnhaus, das im Jahr 1936 erbaut wurde. Schützende, hoch aufragende Bäume umgeben das Gebäude. Seine Mauern versprechen Zuflucht und Geborgenheit. An dem moosbewachsenen Lattenzaun verkündet ein großes Schild in bunten Lettern: „FamilienZentrum Laim“. Neugierig drücken Kleinkinder ihre Nasen gegen die Fensterscheibe. Ihr Blick in den Garten verrät: Jeder Besucher wird sofort gesichtet. Im Eingangsbereich künden winzige Schuhe davon, wessen Reich nun betreten wird.

Im Zimmer spielen circa zwölf Kinder im Alter zwischen zwei und vier Jahren. Die quirlige Melanie tobt auf dem Schaukelpferd. Mehrere Jungs raufen in der gegenüberliegenden Ecke auf einer Matratzenburg. Benjamin hält den Gästen aufgeregt ein Bilderbuch entgegen. „Ich will auch mal Zug fahren“, drängelt er begeistert und patscht mit seinen Händchen auf eine rote Eisenbahn, die in dem robusten Buch zu sehen ist.

 „Ja – das ist unser Miniclub“, lacht Erzieherin Kitty Biereder. Die gebürtige Holländerin erzählt, dass hier zweimal pro Woche Kinder auf den Kindergarten vorbereitet würden. Zudem gebe es noch eine spezielle Betreuung  für Ein- bis Dreijährige. „Unsere Kleinen sollen lernen, sich von der Mutter zu trennen“, erklärt Betreuerin Regina Lenk-Ostendorf. „Für die Kinder bedeutet es eine gewaltige Umstellung, wenn die Mama plötzlich nicht mehr permanent da ist. Gleichzeitig müssen sie lernen, andere als Bezugspersonen zu akzeptieren. Ziel ist auch die Interaktion mit anderen Kindern. Andererseits sehen wir das FamilienZentrum als Freiraum für Kinder, wo sie meist tun und lassen können, was ihnen beliebt.“

Vielfältige Angebote

Im Treppenhaus informieren Aufsteller über das bunte und abwechslungsreiche Angebot des FamilienZentrums. Unterschiedliche Eltern-Kind-Treffs, die in verschiedene Altersgruppen unterteilt sind, gehören genauso dazu wie zweisprachige Spielgruppen, in denen sich zum Deutschen jeweils das Französische, Spanische oder Italienische gesellt. Es gibt Musik für Babys, Hausaufgabenbetreuung für die Größeren und Schwangerschaftsrückbildungskurse für frischgebackene Mütter. Im ersten Lebenshalbjahr des Kindes können Eltern die harmonische Babymassage erlernen. Durch die gemeinsamen Erfahrungen festigt sich die Bindung zwischen Mutter und Kind.

„Sehr gut angenommen wird ‚Deutsch für Ausländerinnen‘. Mütter kommen zu uns, geben ihre Kinder ab und lernen währenddessen Deutsch“, erklärt Betreuerin Lenk-Ostendorf. „An diesem Beispiel wird deutlich, warum wir ‚FamilienZentrum‘ heißen. Bei uns geht‘s nicht nur um die Kinder, sondern auch um die Eltern. So beraten wir auch in Scheidungsfragen oder bieten Qigong und Yoga für Erwachsene an.“  

Das PEKIP

Hohe Luftfeuchtigkeit und gefühlte 35 Grad verursachen in einem Zimmer im ersten Stock Schweißperlen. Dort krabbeln neugierig tatendurstige Säuglinge herum. Hier findet das so genannte PEKIP (Prager-Eltern-Kind-Programm) statt. Eltern mit Babys ab einem Alter von acht Wochen treffen sich dort jede Woche. Christiane Rolny, Leiterin des FamilienZentrums, beobachtet bei jedem Baby den derzeitigen Entwicklungsstand und bespricht mit den Müttern aktuelle Fragen und Probleme.

Als Diplom-Psychologin und ausgebildete Familienberaterin verfügt die Leiterin über umfangreiche Erfahrungen. „Das FamilienZentrum Laim richtet sich an Interessierte aus der unmittelbaren Umgebung. Wir orientieren uns am Bedarf vor Ort.“ Eine wichtige Komponente ist die Selbstorganisation der Eltern. Zwar bietet das Familienzentrum vieles an, ebenso wichtig sind jedoch die Treffs, welche in Eigenregie der Eltern ablaufen. „Hierdurch entsteht ein Netzwerk, das auf wechselseitiger Unterstützung basiert. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Familien alle aus der Nähe kommen. Kurze Wege erleichtern das Funktionieren der Gemeinschaft ungemein“, unterstreicht Familienberaterin Rolny.

Eltern in ihren Kompetenzen stärken

„Starke Eltern – Starke Kinder“, so lautet das Motto der Elternkurse im FamilienZentrum und gilt auch darüber hinaus.  Christiane Rolny: „Wir wollen die Eltern entlasten und ihre Kompetenzen stärken. Sie sollen sich zunächst gegenseitig helfen, um ergänzend dazu bei uns Unterstützung in Form von Kursen und Beratungen zu bekommen. Hierbei handelt es sich um Empfehlungen bei Familienkonflikten, um Schwangerschaftsvorsorge, Fragen zur Entwicklung des Kindes oder um Rechtsberatung.“ Gerade Scheidungsprobleme und Arbeitsrecht seien immer wieder Themen, die auftauchen würden, so Rolny. 

Abschied

Am frühen Nachmittag hat sich die Anzahl der kleinen Schuhpaare deutlich reduziert. Eltern kommen, um ihre Kinder abzuholen. Dabei spielen sich rührende Szenen der Wiedersehensfreude ab. Kurz darauf wirken die Aufenthaltsräume verlassen. Es ist still geworden. Nur die umher liegenden Kinderbücher und Spielsachen zeugen noch von dem Spaß und Trubel der letzten Stunden. (ms)