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Ein Weg aus der Krise

Das KinderschutzHaus hilft Kindern und ihren Eltern

„Zu fast 90 Prozent habe ich es dem KinderschutzHaus zu verdanken, dass es uns jetzt besser geht“, sagt eine Mutter, die ihr zehnjähriges Kind Marie (Name geändert) in die Einrichtung geben musste. Fünf Monate war Marie komplett weg von daheim, weil die Alleinerziehende vom Alltag aufgefressen wurde, mit ihren Nerven am Ende war und einen Klinikaufenthalt benötigte. Auch ihrer Tochter ging es damals nicht gut: Marie fühlte sich einsam, wurde in der Schule gemobbt und hatte kein Selbstbewusstsein mehr. Statt draußen auf dem Spielplatz verbrachte sie die Zeit lieber vor dem Fernseher. Manchmal sprach Marie sogar davon, nicht weiterleben zu wollen.

In dieser Situation stellte das Jugendamt den Kontakt zum KinderschutzHaus her. Schnell wurde der Mutter klar: Dort kann ich mein Kind hingeben. Bei einem Heim oder einer angedachten Pflegefamilie waren diese Gefühle bisher ausgeblieben. Nun passte es von Anfang an: „Beim KinderschutzHaus ging man wirklich auf mich ein. Man wollte mir meine Kleine nicht wegnehmen, sondern gemeinsam mit mir einen Weg aus der Krise finden“, erzählt die Alleinerziehende. „Das Ambiente passte ebenfalls: Die Räume wirkten sehr nett, familiär und liebevoll.“ Dennoch fiel es der Mutter „enorm schwer“, ihr eigenes Kind in fremde Hände zu geben.

Trotz Tränen – Maries Integration gelingt

Marie ging es nicht anders. Die Zehnjährige weinte beim Abschied von ihrer Mutter heftig, denn sie hatte Angst vor dem Alleinsein. Doch im KinderschutzHaus erklärten PädagogInnen dem Mädchen einfühlsam: „Deine Mami braucht Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen.“
Die Routine des KinderschutzHauses vereinfachte Marie die Eingewöhnung an ihr neues Zuhause. Im Vordergrund stehen ein geregelter Tagesablauf mit Schule, Hausaufgaben, Spielen, Schlafen. Dazwischen gemeinsame Mahlzeiten mit anderen Kindern und den BetreuerInnen, Besprechungen und Veranstaltungen.
Die festen Strukturen der Einrichtung werden auf spielerische Art vermittelt. „Beim wöchentlichen Kinderteam ist es zum Beispiel so, dass nur der sprechen darf, der ein kleines Herz in den Händen hält“, erzählt eine Erzieherin. Marie begann ihre Gefühle wieder auszudrücken. Dabei halfen der Zehnjährigen drei kleine Smileys - ein lachender, ein neutraler und ein trauriger. Einen lachenden Smiley vergab das Mädchen für die Bastelrunde. Endlich konnte sie ihre Fingerfertigkeiten zeigen und bekam viel Lob für ihr Können. Das war Balsam für das kleine Ego.
Die Integration klappte - sehr zur Freude ihrer Mama, die den Kontakt mit zwei Telefonaten pro Woche hielt. „Ich merkte, meine Tochter fühlt sich wohl. Sie wirkte fröhlich und glücklich“, erzählt Maries Mutter. Natürlich gab es ein paar „Vermiss-Mama-Tränen“, aber ihr Problem - die Angst, alleine unterwegs zu sein – bekam Marie in den Griff. Stolz berichtete sie am Telefon: „Mami, Mami, ich kann jetzt schon alleine zur Schule fahren!“

War Marie bei ihrer Mutter noch die unsichere, kleine Tochter gewesen, übernahm sie im KinderschutzHaus als zweitältestes Kind Verantwortung als „Die Große“. Mit den Jüngeren ging sie sehr liebevoll um. Diese Begabung war mangels Geschwistern bislang verborgen geblieben. Das Mädchen fand sogar eine Freundin, mit der sie bis heute in Kontakt steht.

Marie hat im KinderschutzHaus gelernt, wieder zu vertrauen – sich selbst und anderen, wie ihrer Bezugspädagogin. Die Mutter beschreibt es so: „Marie strahlt immer total, wenn sie die Stimme am Telefon hört. Es ist schön zu wissen, dass sie noch zu einem zweiten Erwachsenen Vertrauen gefasst hat. Das hat mir ebenfalls gut getan. Ganz ohne Eifersucht.“

Behutsames Wiedersehen

Schrittweise kehrte Marie nach fünf Monaten nach Hause zurück. Langsam sollten sich Mutter und Tochter wieder aneinander gewöhnen: „Sie hat sich bei mir sichtlich wohl gefühlt, wollte mir mit ganz viel Enthusiasmus zeigen, was sie alles gelernt hat. Das fand ich toll“, erzählt die Mutter.

Die feste Tagesstruktur und die Regeln haben Tochter und Mutter zu Hause übernommen. Dadurch habe sich ihr Zusammenleben sichtlich entspannt, atmet die Mutter auf. Marie sei selbstständiger und reifer geworden, längst nicht mehr so bequem wie früher. Nach der Zeit im KinderschutzHaus hat das Mädchen erkannt, wie viel Arbeit der Mutter der Haushalt macht. Sie zeigt Verständnis: „Ja, Mami, mach das nur, bügle nur, ich beschäftige mich schon.“ Zwar schaut Marie immer noch gern Fernsehen, aber die Zeitregel hält sie jetzt ein und macht die Flimmerkiste ohne anstrengende Diskussionen aus.

Die Frage, ob die Liebe zwischen Mutter und Tochter durch den Aufenthalt im KinderschutzHaus gewachsen sei, beantwortet Maries Mutter glücklich mit „Ja“. (cke)