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Odyssee auf der Suche nach Hilfe

Eine Mutter berichtet von ihren Erfahrungen

Über 1000 Betroffene haben sich im vergangenen Jahr beim KinderschutzZentrum gemeldet – zur telefonischen Beratung oder zur längerfristigen Betreuung. Die Krisen und Lebensverhältnisse der Hilfesuchenden sind unterschiedlich, doch eins haben alle gemeinsam: Sie stecken in einer persönlich ausweglos scheinenden Situation und suchen nach unkomplizierten Lösungen. Eine Mutter, die anonym bleiben will, erzählt von ihren Erfahrungen und wie sie den Weg ins KinderschutzZentrum fand.

"Ich bin alleinerziehend, seit mein Sohn eineinhalb Jahre alt ist. Der Papa wohnt weiter weg, Oma und Opa sind nicht greifbar, und ein soziales Netzwerk, auf das ich zurückgreifen könnte, habe ich nicht", erzählt die Münchnerin. Zur schwierigen familiären Situation kommen Geldsorgen. Seit Jahren sucht die Mutter, deren Sohn zweisprachig aufwächst, Arbeit. Anfangs lebte sie von Arbeitslosenhilfe, mittlerweile bekommt sie ALG II: "Ich frag mich manchmal selber, wie ich das finanziell hinbekomme." Um ihrem Sohn wenigstens ab und an "etwas bieten zu können", stellt die Mutter ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Sie verzichtet auf Ausgehen, teure Schminke und neue Klamotten. Dennoch - die Abhängigkeit vom Amt bleibt. Damit verbunden sind viele Termine, seitenweise auszufüllende Anträge und regelmäßige Bewerbungen. "Ich bin nie frei. Ständig habe ich den Kopf voll mit diesen Dingen."

Vom Stress in die Krise

Als ihr Sohn drei Jahre alt wird, wächst der Mutter die Situation schließlich über den Kopf. Der Dreijährige sei sehr lebhaft, sie selbst tendiere zur Ungeduld, begründet die Alleinerziehende ihre Hilflosigkeit. "Irgendwann hast Du die Hemmschwelle überschritten und Du gibst ihm halt einen Klaps auf den Hintern, weil er nicht aufhört zu brüllen. Und beim nächsten Mal geht’s halt ganz einfach." Von schwerer Kindesmisshandlung will sie nicht sprechen. "Aber wenn ich meine Aussetzer hatte, hab ich dem halt eine geknallt."

Die Mutter erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. "Für mein Niveau, für meine Einstellung ging das zu weit – ging ich zu weit." Sie versucht, sich ein Netzwerk aufzubauen, besucht Alleinerziehenden-Gruppen und geht zu kirchlichen Einrichtungen. "Ich habe Anschluss gesucht, versucht, mich mit jemandem auszutauschen." Doch der Erfolg bleibt aus. Irgendwann habe sie es dann sein lassen. Durch einen Tipp findet sie eine Beratungsstelle. Endlich wird ihr zugehört und gemeinsam überlegt, wie es weitergehen soll. Die Entscheidung für eine Therapie fällt. "Aber da wurde es schon wieder kompliziert", erzählt die Mutter. Ein passender Therapeut musste gesucht und gefunden werden, endlose Wartelisten sind ein- und auszuhalten, Anträge bei der Krankenkasse müssen gestellt werden – zu viel in der sowieso schon belastenden Situation.

Hilfe – endlich unkompliziert

Über ein Frauentherapiezentrum bekommt sie schließlich die Telefonnummer des Münchner KinderschutzBundes und dort die Nummer des KinderschutzZentrums. Endlich sei alles ganz unkompliziert gewesen: "Du rufst an, bekommst einen Termin ohne lange Wartezeiten." Hier erfährt sie Verständnis und Bestätigung, die bei Alleinerziehenden oft zu kurz kommen. Mittlerweile hält der Kontakt zum KinderschutzZentrum mehrere Jahren. Je nach ihrer persönlichen Situation ist er mal stärker oder schwächer. "Wenn es daheim wieder extremer wird, rufe ich meine Beraterin an oder mache einen Termin aus, um die Spannungen rauszunehmen." Schon allein die Gespräche mit ihrer Beraterin, die ein Kind im selben Alter habe, würden ihr weiterhelfen. "Die versteht mich und wie ein Kind im Alter meines Sohnes tickt."
In Zeiten, in denen sie noch mehr Unterstützung gebraucht hat, wurde der Mutter eine ehrenamtliche Familienhelferin zur Seite gestellt. Einmal wöchentlich kümmerte sich die ältere Dame um den Sohn, so dass die Mutter auch einmal Zeit für sich und zum Durchatmen hatte. Einmal alle drei bis vier Wochen kommt die Familienhelferin noch heute zu ihr nach Hause.

Auf dem richtigen Weg

"Ich habe inzwischen gelernt, dass auch ich nur bis zu einem gewissen Grad belastbar bin", erzählt die Frau. Und noch wichtiger: Sie kann das inzwischen akzeptieren.
Die Mutter ist vom KinderschutzZentrum und dessen Arbeit überzeugt: "Die Leute hier bieten Beratung und Information, leisten eine erste Hilfe, leiten einen an kompetente Stellen weiter, und es dringt nichts nach draußen. Ich fühl mich hier einfach gut aufgenommen. Und vor allem: Es ist unkompliziert." (ez)