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Eine Art Ruheinsel

Interview mit KITZ-Leiterin Dr. Gabriele Reisenwedel

Wie sieht Ihre Struktur aus?

Wir haben zwei feste, altersübergreifende Gruppen: In der unteren Gruppe im Alter von eins bis sechs, in der oberen Gruppe von eins bis zehn. Die Kinder bleiben neun Jahre im Haus. Wir nehmen auch alle anderen Kinder von dieser Familie in die Gruppe auf. Dadurch haben die Eltern nicht immer den Stress, von der Krippe zum Kindergarten und dann zum Hort fahren zu müssen.

Was ist der Unterschied zum klassischen Kindergarten?

Was wir leisten, könnte ein Kindergarten mit der personellen Ausstattung gar nicht leisten. Das geht einfach nicht. Wir haben einen anderen Arbeitsauftrag, eine ganz andere Strukturierung. Wir waren das erste KITZ in ganz München, und wir haben diese Art der stadtteilbezogenen Kinderbetreuung modellhaft erprobt.

Was bedeutet das KITZ für Kinder, die bereits schlimme Dinge erleben mussten?

Für diese Kinder ist es eine Art Ruheinsel. Und diese Ruheinsel bleibt lange gleich. Das ist das Entscheidende. Neun Jahre bleibt ein Kind in unserem Haus, und alles, was außen herum passiert, ist für manche Kinder dramatisch, schlimm und schwierig. Aber hier bleibt ihre Umgebung ruhig und zuverlässig.

Welchen Ansatz verfolgen Sie?

Der Ziel-Leitspruch vom KSB ist ‚Helfen statt Strafen’. Und das ist der Grundansatz unserer ganzen Arbeit.

Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung, die das Haus genommen hat?

Ich mache jetzt 35 Jahre Sozialarbeit. An Kindertagesbetreuung ist das hier das Beste, was mir je untergekommen ist.

Wer kann theoretisch aufgenommen werden?

Jedes Kind aus dem Stadtteil München-Laim. Wirklich jedes.

Wie läuft das Aufnahmeszenario ab?

Ich habe eine lange Warteliste: Fast 300 Kinder für dieses kleine Haus. Wir entscheiden nach Dringlichkeit und nach Warteliste.

Das klingt ja schon fast nach „Tropfen auf den heißen Stein“...

Das ist es auch. Jemand hat hier mal gesagt: ‚Wenn ein Kind einen Platz kriegt, hat es einen Sechser im Lotto.’ So kommt es uns auch manchmal vor. Die Plätze im Haus sind einfach begrenzt.

Existieren Pläne für die Anschaffung eines größeren Hauses?

Wir haben uns lange bemüht. Es ist sogar ein Makler beauftragt. Aber es gibt einfach keine finanzierbaren Räume in diesem Stadtteil. Die Stadt würde da auch sofort mitziehen. Aber es ist tatsächlich kein Objekt zu finden.

Blicken wir zum Abschluss noch einmal auf die Kinder: Was lernen die hier?

Dass sie vertrauen können. Das ist entscheidend für ihre Zukunft. Ein Kind, das nicht vertrauen kann, das kein Zutrauen hat zur Welt und auch zu sich, kann eigentlich nichts lernen. Und eines, das selbstsicher ist, das sich vertraut, kann alles lernen. Wir haben immer Mädchen und Jungen mit besonderen Schwierigkeiten. Sie sollen erkennen, dass sie wichtig sind und dass es Menschen gibt, die sie mögen. (cke)